Serverumzug vorbereiten: Eine praktische Checkliste
Der neue Server startet, die Dateien sind kopiert und die Website lädt. Für eine erfolgreiche Migration fehlen trotzdem möglicherweise Bestellmails, geplante Aufgaben oder eine Verbindung zur Buchhaltung. Planen Sie den Umzug deshalb entlang der Arbeitsabläufe, die nachher funktionieren müssen.
Ein Inventar mit Abhängigkeiten
Erfassen Sie Anwendungen, Versionen, Datenbanken, Dienste, Dateipfade, Benutzer und Berechtigungen. Ergänzen Sie DNS, Zertifikate, externe Freigaben für IP-Adressen und Schnittstellen. Notieren Sie pro Anwendung eine technische und eine fachliche Kontaktperson. Diese beiden Rollen können unterschiedliche Fragen beantworten: ob ein Dienst läuft und ob sein Ergebnis für die tägliche Arbeit stimmt.
Bei Migrationstools ist der übertragene Umfang ausdrücklich zu prüfen. Plesk dokumentiert beispielsweise, welche Inhalte der Migrator übernimmt und welche Servereinstellungen nicht mitwandern. Ein erfolgreich abgeschlossener Kopiervorgang ist deshalb noch keine vollständige Übernahme des Betriebs. Vergleichen Sie die Liste des Werkzeugs mit Ihrem Inventar.
Daten gemeinsam konsistent übernehmen
Eine Anwendung kann Datensätze in einer Datenbank und zugehörige Dateien im Dateisystem speichern. Werden beide Bestände zu unterschiedlichen Zeitpunkten kopiert, fehlen im Ziel möglicherweise Anhänge oder Verweise. Legen Sie fest, welche Daten zusammengehören und welches vom jeweiligen Produkt unterstützte Verfahren einen passenden Stand erzeugt. Eine Pause für schreibende Zugriffe kann Teil dieses Verfahrens sein.
Auch Datenbankexporte haben Voraussetzungen. Die PostgreSQL-Dokumentation weist beim Wiederherstellen eines SQL-Dumps beispielsweise auf benötigte Rollen und Berechtigungen hin. Prüfen Sie Versionen, Erweiterungen, Zeichenkodierung und Fehlermeldungen am Ziel. Das Vorhandensein einer Exportdatei ersetzt keinen erfolgreichen Import mit anschließendem Anwendungstest.
Beispiel: Einen Bestellweg vollständig testen
Bei einem Shop sollte der Test den gesamten Bestellablauf abdecken. Prüfen Sie Produktsuche, Warenkorb, Anmeldung, Bestellung im vorgesehenen Testmodus, Bestellbestätigung und Übergabe an die Warenwirtschaft. Verhindern Sie dabei echte Zahlungen und den Versand an Kunden. Notieren Sie für jeden Schritt das erwartete Ergebnis und wer es abnimmt.
Messen Sie bei der Probe außerdem, wie lange Kopie, Datenbankimport und Prüfung benötigen. Daraus entsteht ein begründetes Wartungsfenster. Wenn bereits die Probe länger dauert als die mögliche Unterbrechung, muss der Ablauf vor dem eigentlichen Termin angepasst werden. Planen Sie eine Unterbrechung ein, sofern die Probe keinen Wechsel im laufenden Betrieb bestätigt.
Checkliste für das Wartungsfenster
- Freigabe, Erreichbarkeit der Beteiligten, Startzeit und spätesten Rückfallzeitpunkt festhalten.
- Geplante Aufgaben, Warteschlangen und schreibende Zugriffe nach dem abgestimmten Ablauf pausieren.
- Letzten Datenstand übernehmen und die erfolgreiche Verarbeitung anhand von Protokollen prüfen.
- Zugriffswege umstellen und Tests aus den tatsächlich genutzten Netzen durchführen.
- Anwendung fachlich abnehmen; Hintergrundjobs und Schnittstellen kontrolliert wieder starten.
- Fehler, Entscheidungen und tatsächliche Zeitpunkte im Umzugsprotokoll dokumentieren.
Rückfall bedeutet mehr als DNS zurückstellen
Sobald im neuen System neue Daten entstehen, laufen die Bestände auseinander. Ein einfaches Zurückschalten kann diese Änderungen verlieren. Definieren Sie deshalb vorab, wer den Rückfall entscheidet, ab wann er zusätzliche Datenübernahme erfordert und welches System währenddessen schreiben darf. Bei einem Shop müssen auch bereits ausgelöste Zahlungen oder versandte Nachrichten berücksichtigt werden.
Nach dem Umzug den Betrieb übergeben
Prüfen Sie im neuen Betrieb Sicherungen, Monitoring, Zertifikatserneuerung und wiederkehrende Aufgaben. Führen Sie einen Wiederherstellungstest mit einer Sicherung des Zielsystems durch. Das alte System wird erst nach Abnahme und Ablauf des vereinbarten Rückfallzeitraums außer Betrieb genommen. Dokumentieren Sie anschließend neue Zuständigkeiten und entfernen Sie nicht mehr benötigte Zugänge.